Einstige Sternwarten
Nicht alles, was wie ein steinzeitliches Observatorium anmutet, muss eines sein. Mutmaßliche Visierlinien mögen Zufall sein. Steinkreis in Callanish auf der Hebrideninsel Lewis
Bei den Weinviertler Kreisgräben - hier eine Rekonstruktion der Anlage Glaubendorf auf dem Heldenberg - sind astronomische Spekulationen seit 2012 widerlegt (Artikel)
Auf dem Hügel Pnyx, bekannt als Versammlungsort der Athener Demokratie, untersuchte der Astronom Meton im 5. Jh. v. Chr. die Sonnen- und die Mondbahn
In Bologna unternahm der 24-jährige Nikolaus Kopernikus seine erste überlieferte Himmelsbeobachtung:
Am Abend des 9. März 1497 bedeckte der Mond den Stern Aldebaran im Stier. Obige Grafik hält den Anblick fest.
Etwa an dieser Stelle errichtete Giuseppe Torri ab 1712 das Turmobservatorium La Specola.
Vor allem von seinem Arbeitsplatz in Frombork aus visierte der Domherr Kopernikus später die Sterne und die Planeten an: All das noch lange vor Erfindung des Fernrohrs!
Blick von der Nürnberger Burg: In diesem schmalen Fachwerkhaus druckte Johannes Petreius 1543 "De revolutionibus", das Hauptwerk des Kopernikus
Später wurde "De revolutionibus" handschriftlich zensiert: Aus der Tatsache der Erdbewegungen wurde eine "Hypothese": Allerdings nur in katholischen Ländern
Ganz in der Nähe von Petreius' Druckwerkstatt, auf einer heute baumbewachsenen Fläche der Nürnberger Burg, betrieb Georg Christoph Eimmart um 1700 eine Sternwarte
Sie soll damals eine der führendsten Sternwarten Europas gewesen sein. Das Nürnberger Burgmuseum erinnert an sie (Artikel über Nürnbergs astronomische Bedeutung)
Der Astronom Bernhard Walther studierte unter anderem die Merkurbewegung.
Kopernikus griff auf seine Messungen am Merkur zurück, als er "De Revolutionibus" verfasste.
Auch Tycho Brahe verwendete Walthers Planetenbeobachtungen später, zum Vergleich mit seinen eigenen.
Walthers Observatorium befand sich im Nürnberger Dürer-Haus
Galilei verbesserte das junge Fernrohr und richtete es ab 1609 in Padua zum Himmel (Artikel). Allerdings nicht von der Sternwarte La Specola - sie entstand erst später
Galileo Galilei lehrte an der Universität Padua (Artikel). Sein Wohnhaus lag nicht weit davon entfernt (rechts der Bildmitte)
Mit seinen Himmelsbeobachtung stritt Galilei für Kopernikus. Die ersten stellte er in Padua an, wohl im Hinterhof seines Wohnhauses (Artikel)
Später wurde Galilei Hofphilosoph der Medici in Florenz. Er erwarb eine Villa im nahen Arcetri (Artikel)
Auf Entscheid der Inquisition und des Papstes geriet die Villa in Arcetri zu Galileis Gefängnis. Von der Dachterrasse aus gelang ihm noch die Entdeckung der Mondlibration
Die Jesuiten-Sternwarte in Prag (Bildmitte). Christian Doppler beobachtete hier Doppelsterne. Die Sternfarben inspirierten ihn bei der Entdeckung des Doppler-Effekts, haben in Wirklichkeit aber nichts damit zu tun
Der mathematische Turm des Benediktiner-Stifts in Kremsmünster war einst eine Sternwarte. Heute dient er als Museum
Max Wolf, Pionier der Himmelsfotografie (Artikel), besaß zunächst eine Privatsternwarte in der Heidelberger Märzstraße
Max Wolfs (Artikel) Privatteleskop mit zwei angesetzten Kameras. Später wurde er Gründungsdirektor der Landessternwarte auf dem Königstuhl